Noch ist nicht klar, was den tödlichen Brand in Ludwigshafen, dem neun türkische Hausbewohner zum Opfer fielen, ausgelöst hat. In der Türkei regt sich der glühender Zorn. Man will sogar eigene Sicherheitskräfte entsenden. Doch warum ist die türkische Regierung derart misstrauisch?
Noch weiß man nicht viel über die Hintergründe des katastrophalen Brandes in einem Wohnhaus in Ludwigshafen. Nur dies: Neun Menschen sind innerhalb kurzer Zeit in den Flammen umgekommen, am helllichten Tage, einem Sonntag, einem Karnevalstag, dessen Zug auch durch die dortige Straße führte.Verzweifelte Hausbewohner ließen ihre Kinder in die Arme der Helfer fallen, meist Polizisten oder Feuerwehrleute, die noch nicht einmal die Sprungtücher aufgebaut haten. Nach 15 Minuten hatte das Treppenhaus lichterloh gebrannt, alle Fluchtwege waren versperrt.Ein Brand wie jeder andere? Das Haus war von türkischen Familien bewohnt. 2006 waren auf einen Kulturverein im Parterre des älteren Hauses mit dem hölzernen Treppenhaus Molotowcocktails geworfen worden. Nun sagt ein Mädchen aus, es habe einen Mann mit Feuerzeug gesehen. Nicht nur der Brand raste, auch die Fantasie rast. Und schreckliche Verdächtigungen kursieren. War es gar kein Unfall, sondern gar ein fremdenfeindlicher Anschlag wie der in Solingen?In der Türkei scheint sich dies zu einem stabilen Vorurteil verfestigt zu haben. Die Toten stehen auf den Titelseiten. Eine Überschrift verkündet: „Schlimmer als Krieg“. Staatschef Erdogan kündigt an, er werde im Verlauf seines Staatsbesuchs auch nach Ludwigshafen kommen.Der Außenminister fordert „minutiöse“ Aufklärung über den Tod türkischer Staatsbürger und will eigene Sicherheitskräfte nach Deutschland schicken. So als seien deutsche Forensiker und Polizisten weltweit verschrien für stümperhafte Arbeit oder verdienten sich Meriten im Vertuschen fremdenfeindlicher Übergriffe.Warum ist die türkische Regierung derart ressentimentgeladen? Wolfgang Schäuble, gerade in der Türkei, wird in seinen Gesprächen versuchen, solchem Misstrauen den Boden zu entziehen. Sollten die Ermittlungen nicht auf einen tragischen Unfall weisen, sondern eine fremdenfeindliche Tat aufdecken: Der deutsche Rechtsstaat wird den Fall aufklären.
Quelle: Die Welt