Grabenkämpfe bei US-Demokraten: Skepsis im eigenen Lager
![]() Demonstrative Einheit oder alte Grabenkämpfe? Der designierte Präsidentschaftskandidat Barack Obama und seine Rivalin Hillary Clinton |
Beim Parteitag der Demokraten leben alte Konflikte wieder auf: Immer mehr Clinton-Anhänger wollen Barack Obama ihre Stimme verweigern. Wegen der Wahl seines Vizes gerät Obama nun unter Druck.
Linda Tucker gehört zu den Frauen, die in dieser Woche beim Parteitag der Demokraten viel Aufmerksamkeit erhalten: Die 54-jährige Sozialkundelehrerin ist
eine Anhängerin der unterlegenen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton und würde ihre Stimme im Moment eher dem Republikaner John McCain geben als Barack Obama, dem Kandidaten ihrer eigenen Partei.
“Die Wahrheit ist, es verbittert mich, dass Clinton die Nominierung nicht bekommt”, sagt sie. “Einmal mehr ist vor den Frauen ein schwarzer Mann an der Reihe. Der Sexismus ist in diesem Land noch immer gesund und munter.” Tucker versteht sich lieber als Unabhängige als sich weiter zur Demokratischen Partei zu bekennen.
Jüngste Umfragen zeigen, dass derzeit mehr als ein Viertel der Clinton-Anhänger auf die Parteitreue pfeifen und am 4. November McCain wählen wollen. Ende Juni betrug ihr Anteil noch 16 Prozent, kurz vor dem Parteitag schnellte er auf 27 Prozent hoch. Nur 66 Prozent der Clinton-Anhänger unterstützten Obama, Ende Juni waren es noch 75 Prozent. Das Gesamtergebnis der Befragung von CNN/Opinion Research wirkte wie eine kalte Dusche: Obama und McCain lagen bei 47 Prozent gleichauf. Ohne die Unterstützung des Clinton-Lagers droht Obama den Sieg zu verpassen.
Frauen wollen eine Frau im Weißen Haus
Angesichts der Konflikte halten es Wahlstrategen für die wichtigste Aufgabe Obamas, die Partei in Denver hinter sich zu bringen. Trotz der offziellen Parole der Einheit ist die Demokratische Partei gespalten, seit Clinton Anfang Juni nach dem erbitterten Vorwahlkampf aufgab. Der charismatische, aber politisch relativ unerfahrene Obama hatte ihr die bereits sicher geglaubte Nominierung abgejagt. Viele Frauen unter ihren 18 Millionen Wählern hatten darauf gesetzt, dass der 60-Jährigen als erster Politikerin der Sprung ins mächtigste Amt gelingt. Dann zerschlug Obama auch noch ihre Hoffnung, Clinton als Vize-Präsidentin zu erleben. Der 47-Jährige holte sich kurz vor dem Parteitag den 65-jährigen Joseph Biden an die Seite.
Brisanter Bericht
Kurz vor dem Auftritt Hillary Clintons bei dem viertägigen Parteitag hob nun auch noch die Zeitung Washington Post den alten Konlfikt erneut ins Blatt: Der designierte US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama habe seine parteiinterne Konkurrentin Hillary Clinton offenbar nie ernsthaft als Kandidatin für das Amt des Vize-Präsidenten in Erwägung gezogen, berichtet das Blatt in seiner aktuellen Ausgabe.
Es sei sehr unwahrscheinlich, dass er sich für sie entscheide, habe Obama der ehemaligen First Lady bereits kurz nach ihrem Rückzug aus den Vorwahlen der Demokraten gesagt, heißt es in dem Bericht.
Obama habe das Gefühl gehabt, dass die beiden kein gutes Team abgeben würden. Die Chemie zwischen ihnen habe nicht gestimmt. Im Gegensatz zu anderen möglichen Kandidaten habe Obama Clinton nie zu einem ernsthaften Gespräch über eine gemeinsame Bewerbung gebeten.
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Obama selbst hatte am Montag jedoch den Eindruck erweckt, die 60-Jährige habe durchaus auf seiner Liste gestanden. “Davon können Sie ausgehen”, antwortete er auf entsprechende Fragen. Clinton hatte mehr als ein Jahr lang gegen Obama kandidiert und bei den Vorwahlen zahlreiche Delegiertenstimmen gesammelt. Im Wahlkampf hatte sie ihren Parteifreund in mehreren TV-Auftritten teilweise scharf angegriffen.
Hillary hat ihre Anhänger mehrfach dazu aufgerufen, Obama zu wählen - zuletzt vor Beginn des Parteitages. Sie bitte darum “genau so hart für Barack Obama zu arbeiten, wie ihr für mich während der Vorwahl gearbeitet habt”, sagte Clinton auf einem Treffen mit ihren Anhängern in Denver. Abonnieren=>![]()
Quelle: SZ Weitere aktuelle Nachrichten
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