Kaukasus-Krise: Treibstoff-Zug in Georgien explodiert


Ein Feuerwehrmann vor dem brennenden Treibstoff-Zug bei Gori
Ein Feuerwehrmann vor dem brennenden Treibstoff-Zug bei Gori

Ursache war offenbar eine Landmine: Nahe der Stadt Gori ist ein Güterzug in Flammen aufgegangen. Tiflis spricht von Sabotage, Russland weist die Vorwürfe zurück. Derweil spitzt sich der Konflikt zwischen Moskau und Washington zu: Ein US-Zerstörer hat vor der georgischen Küste festgemacht.
Das georgische Fernsehen zeigte dichte Rauchwolken über der Unglücksstelle in der Nähe der Stadt Gori. Die Explosion ereignete sich unweit eines aufgegebenen Militärstützpunkts der georgischen Armee. Rettungskräften gelang es, 19 Waggons von den Schienen zu heben, um weitere Explosionen und eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Tiflis. Die russische Armee hatte Gori am Freitag nach zehntägiger Besetzung verlassen.

Der georgische Ministerpräsident Lado Gurgenidse sagte, es sei noch zu früh, um den Schaden vollständig zu bewerten. Er hob aber die Bedeutung der Zugstrecke für die Wirtschaft Georgiens und seiner Nachbarländer hervor. Über die Schienen wird auch für Europa bestimmtes Öl aus Aserbaidschan transportiert. Vor gut einer Woche wurde auf der Zugstrecke weiter östlich eine Brücke durch eine Explosion zerstört. Georgien warf den russischen Truppen vor, die wichtige Eisenbahnbrücke gesprengt zu haben. Der russische Generalstab wies die Anschuldigung zurück.

Russland will Macht über Pufferzonen
Moskau dementierte eine Mitteilung des französischen Präsidenten, wonach man sich im Südkaukasus auf eine Ablösung russischer Friedenssoldaten durch die OSZE geeinigt habe. “Während des Telefonats von Dmitri Medwedew mit Nicolas Sarkozy ist von einem Abzug der russischen Friedenssoldaten in der Pufferzone vor Südossetien zugunsten von OSZE-Kräften nicht gesprochen worden”, teilte der Kreml mit. Man sei aber zur Zusammenarbeit mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bereit, hieß es in Moskau. Die OSZE hat bereits zusätzliche Beobachter in das Konfliktgebiet geschickt.

Sarkozy hatte als amtierender EU-Ratsvorsitzender in einem Telefongespräch am Samstag Medwedew für den Rückzug der russischen Truppen aus weiten Teilen Georgiens gedankt. Der Élysée-Palast teilte zudem mit, es seien Details zu Punkt fünf des Friedensplans besprochen worden. Sie beträfen vorübergehende Sicherheitsmaßnahmen, die von einem internationalen Mechanismus unter der Schutzherrschaft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) abgelöst werden sollten.

Nach dem weitgehenden Rückzug des russischen Militärs aus dem Kerngebiet Georgiens ist ein Streit zwischen Washington und Moskau um Pufferzonen und Kontrollpunkte in der Krisenregion entbrannt. Das russische Militär betonte, angesichts der angespannten Lage komme man nicht ohne eine Verstärkung der Friedenssoldaten aus. Sie sollten in Pufferzonen um die abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien auf georgischem Kerngebiet Sabotageakte verhindern und die Bevölkerung schützen. Die USA warfen Russland vor, sich nicht an die Vereinbarungen des Sechs-Punkte-Plans für eine Waffenruhe im Kaukasuskonflikt zu halten.
Ein US-Kriegsschiff mit Hilfsgütern erreichte derweil die Kaukasusrepublik. Der Zerstörer “USS McFaul” machte am Sonntag vor dem Hafen von Batumi fest, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf georgische Informationen. Zwei weitere US-Schiffe werden in den kommenden Tagen in Georgien erwartet.

Der russische Generalstab kritisierte die Präsenz von Nato-Kriegsschiffen im Schwarzen Meer. “Die Nato verstärkt unter dem Vorwand der humanitären Hilfe ihre militärische Präsenz im Schwarzen Meer”, sagte der Vize-Generalstabschef Anatoli Nogowizyn am Samstag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. “Das dient nicht dazu, die Lage in der Region zu stabilisieren.” Unabhängig von der Georgien-Hilfe der USA halten mehrere Schiffe aus Nato-Staaten, darunter die deutsche Fregatte “Lübeck”, ein seit langem geplantes Manöver im Westen des Schwarzen Meeres ab.
Ukraine drängt auf Nato-Mitgliedschaft

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko bekräftigte im Hinblick auf das militärische Vorgehen Russlands in Georgien seine Forderung nach einer schnellen Aufnahme seines Landes in die Nato. “Wir müssen unsere Bemühungen um eine Aufnahme in das gesamteuropäische Sicherheitssystem beschleunigen und auch die Verteidigungsbereitschaft unseres Landes erhöhen”, sagte Juschtschenko vor einer Militärparade zum ukrainischen Unabhängigkeitstag am Sonntag in Kiew.

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Die Mitgliedschaft in der Nato sei der einzige Weg, “um das Leben und den Wohlstand unserer Familien zu schützen”, sagte Juschtschenko nach Angaben der ukrainischen Agentur Unian. Die Ukraine sieht sich als enger Verbündeter Georgiens, das ebenfalls in die Nato strebt.

In der Ukraine hat sich jedoch eine Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Nato-Mitgliedschaft ausgesprochen. Der Widerstand gegen das westliche Militärbündnis ist im russischsprachigen Osten und Süden des Landes am größten. Die Nato hat den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken eine Mitgliedschaft grundsätzlich in Aussicht gestellt, der Zeitpunkt ist aber noch völlig offen. Abonnieren=>

Quelle: FTD Weitere aktuelle Nachrichten

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