Merkel fordert mehr Investitionen in Bildung
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum Auftakt ihrer “Bildungsreise” die Bundesländer zu mehr Investitionen aufgerufen.
Es wäre wichtig, dass finanzielle Spielräume infolge sinkender Schülerzahlen wieder für die Bildung genutzt würden, sagte die Regierungschefin am Donnerstag der “Bild”-Zeitung.
“Der Bund will den Ländern ja keine Kompetenzen nehmen und den Besserwisser spielen”, stellte Merkel klar. Wenn Deutschland aber die bildungspolitischen Herausforderungen der Zukunft meistern wolle, “dann müssen Bund und Länder an einem Strang ziehen”.
Die Kanzlerin startete am Donnerstag ihre Tour zu Bildungseinrichtungen in zehn Bundesländern im Kindergarten der evangelischen Friedensgemeinde in Frankfurt. Die Ganztages-Kita für 60 Kinder aus mehr als einem Dutzend Nationen gilt als Vorzeigeprojekt für frühe Sprachförderung und Integration. Merkel zählt die bessere Integration ausländischer Kinder und das frühe Erlernen der deutschen Sprache zu den zentralen Problemen des deutschen Bildungssystems.
Münden soll die Tour im Bildungsgipfel Mitte Oktober, wo Bund und Länder nach den Vorstellungen der Kanzlerin gemeinsame Konzepte für Verbesserungen des Bildungssystems beschließen sollen. Aus der Opposition, aber auch aus den Reihen des Koalitionspartners SPD hieß es kritisch, Merkel suche lediglich Positivbeispiele auf.
Die Grünen nannten die Kanzlerin eine “Königin ohne Land”. Der Bund hat die Kompetenzen für die Bildungspolitik mit der Föderalismusreform vor zwei Jahren nahezu komplett an die Länder abgegeben.
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Die Länder sehen Merkels Vorstoß kritisch. Sie fürchten mehr Aufgaben, ohne zusätzliche finanzielle Mittel vom Bund zu bekommen. Die CDU-Chefin aber will den seit Jahren in Politik und Wirtschaft angemahnten Reformbedarf im deutschen Bildungssystem zur Chefsache machen und damit das Thema für ihre Partei auch mit Blick auf die Bundestagswahl besetzen. Somit dürfte die Bildungspolitik, in der Vergangenheit meist vorrangig ein Thema der SPD, im nächsten Jahr ins Zentrum des Wahlkampfes rücken.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte eine “nationale Bildungsstrategie”. Die Länder müssten mehr Lehrer und Erzieher ausbilden, weil in Kürze Zehntausende Pädagogen fehlten. Die Wirtschaft klagt seit Jahren über Mangel an Fachkräften. Schule und Wirtschaft müssten enger kooperieren, um das Interesse an den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern zu fördern, forderte die gelernte Physikerin Merkel. Deutschland entgingen jährlich sieben Milliarden Euro an Wertschöpfung, weil fast 100.000 Ingenieure fehlten.Abonnieren=>![]()
Quelle: Reuters Weitere aktuelle Nachrichten
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