Muscharrafs Rücktritt: Kaum ein Verlust für den Verbündeten USA


US-Präsident Bush und Pakistans Präsident Musharraf (Foto: dpa)
Demonstrative Einigkeit: US-Präsident Bush und Pakistans Präsident Muscharraf, hier im September 2006 in Washington.

Für die USA war Pakistans zurückgetretener Präsident Muscharraf ein wertvoller Verbündeter: Elf Milliarden Dollar Militärhilfe investierte Washington seit 2001 in diese Partnerschaft. Dabei unterstützte Muscharraf immer unverhohlener Amerikas Erzfeinde von Al Kaida.

Die USA waren bis zuletzt auf seiner Seite: Selbst als Präsident Muscharraf im vergangenen Jahr die Menschenrechte mit Füßen trat, das Kriegsrecht verhängte, Pakistans obersten Richter seines Amtes enthob und 60 Regimekritiker inhaftierte, betonte die US-Regierung stets: Amerika steht fest an der Seite Muscharrafs.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war Muscharraf für US-Präsident George W. Bush Amerikas Mann in Pakistan. Die US-Regierung war entschlossen, alle Menschenrechtsverletzungen des Putschisten Muscharraf hinzunehmen, solange der sich zumindest qua Lippenbekenntnis bereit erklärte, Taliban- und Al-Kaida-Gruppen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zu bekämpfen.
Illusionen im Kampf gegen den Terror

Elf Milliarden Dollar Militärhilfe gewährten die USA ihrem Verbündeten Muscharraf seit 2001, um Terroristen in Pakistan zu bekämpfen. Das Geld sei gut investiert, argumentierte die US-Regierung. Schließlich würden alle Taliban-Angriffe auf Nato-Truppen in Afghanistan von pakistanischem Boden aus geplant und koordiniert. Über die Taliban-Offensive in Afghanistan könne nur sprechen, wer den Blick auf die Terrorzentren in Pakistan richte, betonte immer wieder Amerikas mächtigster Soldat, General Mike Mullen. Doch die jahrelange Hoffnung der Bush-Regierung, Pakistans Präsident werde als enger Verbündeter des Westens mit Hilfe der Dollarmilliarden die Al-Kaida-Operationszentren effektiv bekämpfen, erwies sich als völlige Illusion.
Milliarden in die Aufrüstung gegen Indien
Statt die Terrornetzwerke zu bekämpfen, habe Pakistan unter Muscharraf mit den Milliardenzahlungen aus Washington allerdings gegen den Erzfeind Indien aufgerüstet, sagte der renommierte Pakistan-Experte Ahmed Rashid im Washingtoner Radiosender WPFW: “Die meisten Waffen, darunter Kampfbomber und Panzer, richten sich eindeutig gegen Indien und nicht gegen Terroristen.”
Pakistans Geheimdienst auf der Seite der Terroristen

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Nicht nur Pakistans Militär missbrauchte die Finanzhilfe aus Washington für seine ganz eigenen Ziele. Auch Pakistans Geheimdienst operierte während Muscharrafs Präsidentschaft keineswegs mit den USA. Im Gegenteil: Bereits im Mai musste Amerikas Geheimdienst CIA eingestehen, dass der vermeintlich befreundete pakistanische Geheimdienst ISI völlig ungeniert radikale Talibanführer und Militärstrategen der Terrororganisation Al Kaida im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet unterstützt. Ein Teil des Geldes, das die Amerikaner zur Terrorbekämpfung nach Pakistan überwiesen, sei in den Taschen der Terroristen gelandet, berichtet Pakistan-Experte Rashid.
Der Blankoscheck, den Präsident Bush seinem vermeintlichen Alliierten Muscharraf ausstellte, hat den Anti-Terrorkrieg eher geschwächt als gefördert. Der politische Günstling Muscharraf war für Amerika kein wirklicher Verbündeter.Abonnieren=>

Quelle: Tagesschau Weitere aktuelle Nachrichten

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