Großbritannien in der Krise: Währungsfonds sieht schwarz für die Insel


Nichts geht mehr: Der IWF ist für Großbritannien skeptisch
Nichts geht mehr: Der IWF ist für Großbritannien skeptisch

Der Internationale Währungsfonds hat unerwartet die Wachstumsprognose für Großbritannien deutlich gesenkt. Angesichts der dramatischen Revision warnte die Organisation die Bank of England vor einer Zinserhöhung.
Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Länderbericht prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2009 nur noch 1,1 Prozent Wachstum - nach 1,4 Prozent 2008. “Die Wirtschaft bremst scharf ab”, heißt es in dem Bericht. Im Weltwirtschaftsausblick im April wie auch noch Mitte Juli hatte der IWF für 2008 und 2009 1,8 und 1,7 Prozent erwartet.

Angesichts der starken Abschwächung warnt der IWF die Bank of England (BoE) vor Zinserhöhungen. Zugleich sieht er aktuell aber “keinen Spielraum” für sinkende Zinsen, weil die hohe Inflation das Risiko berge, dass es Zweitrundeneffekte gibt. Für 2008 erwartet er im Schnitt 3,8 Prozent Inflation. 2009 liegt sie demnach bei 3,1 Prozent.

Ende des Häuserbooms

Unmittelbar vor der Sitzung der BoE am Donnerstag schürt der IWF damit die Furcht vor einem massiven Abschwung auf der Insel, die 2006 und 2007 noch mit jeweils rund 3,0 Prozent gewachsen war. Viele Volkswirte sehen die fünftgrößte Volkswirtschaft bereits am Rande einer Rezession. Zugleich dämpft der Fonds noch Hoffnungen, die Notenbanker könnten zur Hilfe eilen. Die BoE hatte ihren Satz nach Zuspitzung der globalen Finanzkrise und des abrupten Endes des Häusermarktbooms zwischen Dezember und April von 5,75 auf 5,0 Prozent gesenkt. Angesichts der Ölpreisrally und der anziehenden Teuerung verzichtete sie aber auf weitere Schritte. Anfang Juli sprachen die Londoner Notenbanker sogar ausgiebig über eine Zinsanhebung, wie das Protokoll zeigte.

Binnenwirtschaft schwächt sich ab

Die Dramatik der Revision des IWF wird dadurch vor allem deutlich, dass der Fonds dem Bericht eine Ergänzung beifügte. In dem am 7. Juli abgeschlossenen Hauptbericht, der auf Gesprächen bis zum 23. Mai basierte, stehen noch die April-Werte. Diese hatte der IWF auch noch Mitte Juli beim Update des Weltwirtschaftsausblicks angegeben. Tatsächlich sind in den vergangenen Wochen aber eine ganze Reihe Konjunkturdaten sehr schwach ausgefallen und viele Stimmungsindizes liegen nahe oder auf Rekordtief. “Der düstere Ausblick verbreitet sich rasant”, sagte Matthew Sharrat von der Bank of America. Die Hauptbelastungen sieht er in fallenden Hauspreisen, der Kreditklemme und der hohen Inflation. Der IWF betont in seinem Papier, dass sich die Binnenwirtschaft abschwächt, während die externe Nachfrage schwach bleibt. “Damit ist das Risiko einer negativen Wechselwirkung zwischen Hauspreisen, Kreditkonditionen, Arbeitsmarkt und Binnennachfrage gestiegen.”


Quelle: FTD Weitere aktuelle Nachrichten

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