Suchmaschine “Cuil” startet mit Anlaufschwierigkeiten


Cuil-Ergebnisseite  (Klick führt weiter zum nächsten Bild)
Die Spaltendarstellung der Ergebnisse ist in der Netzwelt umstritten.

Mit viel Vorschusslorbeeren und Eigenlob ist die Suchmaschine “Cuil” (sprich: cool) an den Start gegangen: Schneller, genauer und effizienter als die Konkurrenz wollte man sein. Bisher enttäuschte die von ehemaligen Mitarbeitern des Marktführers Google gestartete Website jedoch.
Die Erwartungen vor dem Cuil-Start waren enorm, die Enttäuschung hinterher auch: “Habe gerade Cuil ausprobiert und es ist echt beschissen”, sagt ein Videoblogger. “Überhaupt nicht cool. Lasst die Finger davon.” Für den Webexperten Lance Ulanoff vom PC Magazine ist klar, dass der Vorab-Hype um Cuil nur einen einzigen Grund hatte: “Die Leute sind nur deswegen so wahnsinnig interessiert an Cuil, weil es von zwei früheren Google-Mitarbeitern entwickelt wurde. Wären die beiden nicht dabei, hätten die meisten Leute gesagt: netter Versuch, aber nicht besonders interessant.”
Viel versprochen…

Anna Patterson und Russell Power hatten bei Google beide am Suchindex TeraGoogle gearbeitet, bevor sie das Unternehmen verließen und anfingen, an Cuil zu arbeiten. Zusammen mit Pattersons Ehemann Tom Costello, der mal bei IBM war, und Louis Monier, früher technischer Leiter bei Altavista. Mit öffentlichen Auftritten haben sich die Vier extrem zurückgehalten, aber vor dem Cuil-Start wurde inhaltlich ganz schön geprahlt. Die größte Suchmaschine der Welt sollte das neue Tool sein, 120 Milliarden Internetseiten erfassen. Außerdem wurde eine schnellere, intelligentere Suche versprochen mit genaueren, besseren Ergebnissen.
…bisher wenig gehalten

Doch die sehen die meisten User nicht und sind maßlos enttäuscht. Wer seinen Suchbegriff in die minimalistische, schwarz unterlegte Startseite eingegeben hat, ärgert sich hinterher oft über nutzlose Ergebnisse, die scheinbar völlig wahllos zusammengeworfen wurden, über Suchanfragen, die bei Google tausende Ergebnisse generieren und bei Cuil nur ein kurzes “Sorry, keine Ergebnisse gefunden”. Zudem fehlt die Möglichkeit, gezielt nach Blogs oder Bildern zu suchen.
Gewöhnungsbedürftig oder einfach nur unpraktisch?

Auch mit der größten optischen Umstellung im Vergleich zu Google sind viele User unzufrieden. Die Resultate werden nicht in Listen präsentiert, sondern erscheinen in drei Spalten angeordnet mit jeweils 10 Zeilen Text und einem Bild. Das Ganze erinnert eher an ein Lexikon.
Absolut ineffizient, sagt Bill Hogg vom Digital Journal: “Zuerst denkt man: Wow, das sieht gut aus. Aber wir sind es gewohnt, von oben nach unten zu lesen und schnell zu scrollen. Wenn man von links nach rechts lesen muss, braucht man viel länger”.
Verbesserungen im Detail

Neben aller Kritik gab es aber auch positive Anmerkungen: So gefällt zum Beispiel die Leiste mit Karteireitern am oberen Bildschirmrand, die Ergebnisse in Gruppen zusammenfasst. Wer beispielsweise nach “Harry” sucht, kriegt unter anderem Ergebnis-Pakete für Harry Potter, Prince Harry und Harry Truman.
Cuil bleibt cool

Aktuelle Nachrichten bei:

Cuil versuchte, ganz cool auf die Welle der Kritik zu reagieren. Einige Kinderkrankheiten seien zu erwarten gewesen, die werde man noch ausmerzen, und die Masse an Anfragen in den ersten Stunden und Tagen habe einfach die Server überlastet und zu schlechteren Suchergebnissen geführt. Cuil bittet sich ein bisschen Zeit aus, aber es könnte schon zu spät sein, meint Experte Bill Hogg: “Internetnutzer sind sehr nachtragend, es gibt nur eine Chance”, meint Hogg. “Man geht auf die Seite, probiert sie aus, sie funktioniert nicht richtig und man arbeitet wieder mit der alten Suchmaschine.”
Vorteil: Datenschutz

Die Chance für Cuil könnte aber sein, dass gerade die Netz-Community den Underdog liebt, den David, der gegen Goliath antritt. Und ein öfter gehörter Rat an Cuil: Sie sollten mehr mit einem anderen Pfund wuchern - dem Datenschutz. Denn anders als Google speichert Cuil keine Nutzerdaten und -profile. Dass Cuil dem Marktführer Google ernsthaft Konkurrenz machen wird, glaubt kaum jemand, aber vielleicht sollten sich zumindest die anderen Google-Rivalen wie die Suchmaschinen von Yahoo oder Microsoft warm anziehen.

Quelle: Tagesschau Weitere aktuelle Nachrichten

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