Mein New York - McCain wirft Obama „Rassismus-Karte“ vor
Der Wahlkampf in den USA – jetzt wird es richtig hässlich. Und es war nicht John McCain (71), der unter die Gürtellinie schlug, sondern Barack Obama (46). Der Senator aus Illinois brachte seine Hautfarbe ins Spiel.
Bei drei Auftritten in Missouri warf er McCains Kampagne Negativität vor. Vordergründig meinte er damit die Werbespots über die Deutschen und die Vergleiche mit Britney Spears und Paris Hilton. Doch plötzlich spielte er auf etwas ganz anderes an.
„Sie haben keine Lösungen für die heutigen Probleme. Deswegen versuchen sie, den Leuten Angst zu machen“, erklärte Obama seinen Zuhörern vor laufenden Kameras. „Sie sagen, dass ich ein Risiko bin. Sie sagen, dass ich kein Patriot bin. Sie sagen, dass ich einen komischen Namen habe. Sie sagen, dass ich nicht so aussehe wie die anderen Präsidenten auf den Dollar-Noten.“
Dabei setzte der Demokrat sein typisch charmantes Lächeln auf. Doch was er da so leichtfertig sagte, hat Sprengstoff. Die Anspielung auf seinen „komischen Namen“ richtet sich an Gerüchte, dass er ein Moslem sei. Schließlich heißt er Barack Hussein Obama.
Der kritische Punkt ist jedoch die Aussage über die anderen Präsidenten auf den Dollar-Noten. Es sind George Washington (1 Dollar), Abraham Lincoln (5 Dollar), Alexander Hamilton (10 Dollar, war kein Präsident, sondern erster US-Finanzminister), Andrew Jackson (20 Dollar), Ulysses Grant (50 Dollar) und Benjamin Franklin (100 Dollar).
Sie alle waren weiß. Denn es hat in den USA noch nie einen farbigen Präsidenten gegeben. In den USA ist dies ein hochsensibles Thema. Bill Clinton musste sich bei den Vorwahlen vorwerfen lassen, dass er die „Race-Card“ (die Rassen-Karte) gezogen habe, als er Obamas Sieg in South Carolina mit dem Sieg des farbigen Bürgerrechtlers Jesse Jackson verglich, der vergeblich versucht hatte, der erste farbige Präsidentschaftskandidat zu werden. Clinton damals: „Jesse Jackson hat hier auch gewonnen. Und am Ende verloren.“
Das Obama-Camp war empört. Clinton, der sehr viel für die Sache der Farbigen getan hat, stand plötzlich wie ein Rassist da. Und tatsächlich kippte die Stimmung in den USA anschließend gegen Hillary Clinton.
Diesmal, und da stimmen sogar viele Demokraten zu, hat jedoch Obama begonnen. „Er hat die Rassenkarte gezogen“, sagt McCains Wahlkampf-Manager Rick Davis. „Und zwar von ganz unten. Das ist spalterisch, negativ, beschämend und falsch.“
Tatsächlich hat Senator McCain nie gesagt, dass Obama einen komischen Namen hat, noch hat er ihn jemals mit den anderen Präsidenten auf den Dollar-Noten verglichen. Vor allem aber hat McCain niemals die Hautfarbe Obamas ins Spiel gebracht.
Obamas Wahlkampf-Berater versuchen inzwischen, die Bemerkung herunterzuspielen. Es ginge nicht um Rassismus, sondern um den allgemeinen negativen Stil McCains. Doch die Amerikaner wissen, was gemeint war. Alle großen Zeitungen berichten am Freitag auf der ersten Seite über das Thema.
Tenor: Es habe aus dem republikanischen Lager rassistische Anspielungen gegeben. So ging in Texas ein Sticker herum, auf dem gefragt wurde: „Wenn Obama Präsident wird, werden wir es dann noch immer das Weiße Haus nennen?“
Und ein ehemaliger Wahlkampf-Berater McCains habe den Demokraten bei einer Wahlkampf-Veranstaltung mit „Barack Hussein Obama“ angesprochen. Doch John McCain habe sich stets vehement davon distanziert.
Warum ist die Hautfarbe so ein kritischer Punkt?
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Wahlergebnisse zeigen deutlich, dass Rasse sehr wohl eine Rolle im Wahlkampf spielt. Wichtiger aber noch: Gegenwärtig verbreitet sich dank Obama ein neues Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der schwarzen Amerikaner, die jahrhundertelang Opfer von Rassismus waren. Sollte Obama die Wahlen verlieren und die Rassenkarten im Wahlkampf eine Rolle gespielt haben, dann könnte die Stimmung kippen.
Dann könnten viele Farbigen denken: „Seht ihr, er ist nur nicht gewählt worden, weil er schwarz ist.“
Dies wäre ein Schritt in die falsche Richtung für alle Amerikaner. Und deshalb dürfen weder McCain noch Obama diesen wunden Punkt thematisieren.
Quelle: Bild Weitere aktuelle Nachrichten
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