Karadzic wird erstmals von UN-Richtern gehört
![]() Karadzic vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag |
Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal hat die erste Anhörung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic begonnen. Der 63-Jährige betrat den Verhandlungssaal unter der Aufsicht von zwei Gerichtspolizisten. Er wurde nicht von einem Anwalt begleitet. Seine Antworten wurden, wie beim Tribunal üblich, von Dolmetschern übersetzt. Richter Alphons Orie wies ihn auf sein Recht zu Schweigen hin.
Der ehemalige Politiker, der sich selbst verteidigen will, kann sofort auf schuldig oder nicht schuldig plädieren, sich dafür aber auch bis zu 30 Tage Zeit lassen. Karadzic werden Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Bis zum Prozessbeginn dürften laut Chefankläger Serge Brammertz noch “mehrere Monate” verstreichen.
Scharfe Sicherheitsmaßnahmen bei Auslieferung
13 Jahre nach der Anklage durch das UN-Tribunal und etwa zwei Wochen nach seiner Festnahme war Karadzic in der Nacht zum Mittwoch aus Serbien an Den Haag überstellt worden. Nach seiner Landung in Rotterdam wurde Karadzic unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in die Haftanstalt im Badeort Scheveningen bei Den Haag gebracht, wo er den Prozessbeginn abwarten wird.
Gegen die Auslieferung des ausgebildeten Psychiaters hatten am Dienstag in Belgrad etwa 10.000 Ultranationalisten an einer Großkundgebung teilgenommen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen aus der Hooliganszene und der Polizei wurden 45 Menschen verletzt.
EU drängt auf Festnahme Mladics
Aktuelle Nachrichten bei:
Die Europäische Union hatten ebenso wie die Bundesregierung die Überstellung Karadzics an das UN-Tribunal begrüßt. Die französische EU-Ratspräsidentschaft sprach von einer “wichtigen Etappe im Prozess der Aussöhnung auf dem westlichen Balkan und der Annäherung Serbiens an Europa”. Serbien müsse diesen Weg nun weiterverfolgen und die beiden letzten angeklagten Kriegsverbrecher festnehmen.
Die Niederlande und Belgien hatten beim Treffen der EU-Außenminister vergangene Woche durchgesetzt, dass die EU einen neuen Bericht des Chefanklägers Brammertz abwartet und erst im Herbst über den weiteren Annäherungskurs gegenüber Serbien entscheidet. Serbien hatte Ende April ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet, das jedoch nur bei “vollständiger Zusammenarbeit” mit dem UN-Tribunal in Kraft tritt.
Quelle: Tagesschau Weitere aktuelle Nachrichten
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