Boom am indischen Stellenmarkt


Auf den Baustellen in Neu Delhi arbeiten die indischen Arbeiter bis zum Sonnenuntergang, um dem Bauboom im Land gerecht zu werden. (Foto: AFP)
Boom in Indien: Auf den Baustellen in Neu Delhi arbeiten die Arbeiter bis zum Sonnenuntergang.

Eine Milliarde Menschen - und doch fehlen Arbeitskräfte

Indiens Arbeitsmarkt boomt. Uniabsolventen werden zu immer besseren Gehältern eingestellt. Aber erste Probleme zeichnen sich ab: Die Jobwechselbereitschaft ist zu groß, finden manchen ausländische Manager. Und manchmal mangelt es trotz einer Milliarde Menschen an möglichen Angestellten.
Hier wird der umworbene Nachwuchs für den Arbeitsmarkt großgezogen: Das Fergusson College der Universität Pune ist eine der renommiertesten und ältesten Bildungseinrichtungen Indiens. Die Berufsaussichten für die Absolventen sind gut.

“Ich glaube an die Qualität dieser Stadt und ihrer Bildungsmöglichkeiten“, sagt Event-Management-Student Nikhil Bhushan. “Jeden Tag gibt es bessere Stellenangebote. Viele Firmen kommen schon während des Studienjahres direkt hier in die Universität, um Bewerbungsgespräche zu führen. Es ist großartig, so viel Erfahrung sammeln zu können.”
Bislang unvorstellbare Einstiegsgehälter

Wer hier etwa als Computerwissenschaftler abgeht, kann Stellen mit Einstiegsgehältern von bis zu 2000 Euro monatlich bekommen - vor wenigen Jahren war das allenfalls im mittleren Management vorstellbar. “Oxford des Ostens” wurde Pune einst genannt.

Doch heute ist die Fünf-Millionen-Metropole unweit von Bombay nicht nur Bildungsstandort, sondern auch Zentrum für Automobilhersteller, Maschinenbauer und Softwareindustrie: “Wir haben eine 200-jährige Tradition exzellenter Bildung, die uns einen sehr großen Vorsprung verschafft hat”, sagt Punes Universitätspräsident Narendra Jadhav. “Als mit der Öffnung der indischen Wirtschaft immer mehr Firmen hierher kamen, haben sie mit ihren Stellenangeboten wiederum mehr Studenten angezogen. Das ist ein positiver Kreislauf, von dem wir profitieren.”
Schneller Jobwechsel inklusive

Nördlich von Pune versucht Volkswagen, das Wachstumspotenzial hier zu nutzen, mit dem ersten VW-Werk Indiens. Das deutsche Mutterhaus hat in den vergangenen Jahren insgesamt 20.000 Stellen abgebaut. In Indien stellt man gerade 2500 Mitarbeiter ein.

“Wir finden gut qualifizierte Menschen”, freut sich VW-Indien-Chef Jörg Müller. “Wir brauchen ja gerade in der Anfangsphase Leute, die auch eine sehr hohe Erfahrung mitbringen, und das sieht im Moment ganz gut aus.” Diese erfahrenen Arbeitskräfte muss Müller auch von anderen Firmen abwerben. Dass Inder für höhere Gehälter rasch zum Wechsel bereit sind, ist beim Aufbau ein Vorteil. Danach will VW die Mitarbeiter aber an sich binden.

Jetzt sei es für jedes Unternehmen in Indien wichtig, sich dem Thema der Fluktuation zu stellen. Es gebe dort Unternehmen mit einer Fluktuation um die 20 Prozent. “Viele sagen, dass das hier schon normal ist”, sagt Müller. Das hoffe er aber nicht: “Denn wir müssen einfach daran arbeiten, dass wir den jetzigen und zukünftigen Mitarbeitern zeigen, dass wir der Top-Arbeitgeber sind - und dadurch die Fluktuation auch gering halten.“
100 Prozent Wachstum statt Massenentlassungen

Bei Bajaj Allianz in Pune brummt das Geschäft. Seit der deutsche Versicherer und der indische Fahrzeugbauer 2001 gemeinsam in den liberalisierten Versicherungssektor Indiens eingestiegen sind, können sie sich vor Wachstum kaum retten - bis zu 100 Prozent jährlich.

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Und während die Allianz in Deutschland gerade schlagzeilenträchtig knapp 6000 Stellen abbaut, kommt der indische Ableger mit dem Einstellen kaum nach. 27.000 Mitarbeiter sind es derzeit, in wenigen Jahre sollen es noch 10.000 mehr sein.

Doch qualifizierte Arbeitskräfte seien in Indien immer schwerer zu finden, klagt Kamesh Goyal, der Allianz-Chef in Pune: “Es klingt ironisch in einem Land mit mehr als einer Milliarde Menschen: Aber wir haben zu wenig Arbeitskräfte. Die größte Herausforderung für unser Wachstum bleibt: wie können wir weiter Hochschulabgänger anwerben, weiterbilden und beschäftigen?”

Quelle: Tagesschau Weitere aktuelle Nachrichten

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