Reaktionen auf Obama-Rede in den USA


Berlin “Das war eine verfrühte Siegesrunde”

Obamas Rede an der Berliner Siegessäule ist in den USA aufmerksam verfolgt worden. Eine der ersten Reaktionen kam vom republikanischen Kandidaten, McCain - aus der deutschen Kneipe “Schmidt’s Wursthaus” in Ohio, wo er sich auf Wahlkampftour aufhielt. Reaktionen aus den USA.

Eines schaffte Barack Obama in Berlin locker: Mit 200.000 Zuschauern kassierte er seinen bisherigen Heim-Rekord vom Frühjahr mit 75.000 Anhängern, obwohl er doch selbst darauf hinwies, dass er in Berlin keinen Wahlkampf betreibe: “Ich spreche heute nicht als Präsidentschaftkandidat, sondern als stolzer Bürger der Vereinigten Staaten und der Welt”, so Obama.
Wahlkampf in deutschsprachiger Kneipe

Warum so viele Deutsche zu Obama kamen, mag für viele Amerikaner ein Rätsel bleiben. Die Rede aber wurde live von den Kabel-Nachrichtensendern ausgestrahlt. Danach kam die erste und wichtigste Reaktion - logischerweise - vom Republikaner John McCain. Zufall oder nicht, auch McCain fand einen deutschen Zugang. Er sprach auf Wahlkampftour in Columbus Ohio vor einer deutschen Kneipe mit dem schönen Namen Schmidt’s Wursthaus und Restaurant (Schmidt’s Sausage House und Restaurant). “Ich würde auch gerne eine politische Rede in Deutschland halten, aber ich möchte das lieber als Präsident tun, nicht als Präsidentschaftskandidat. Außerdem mache ich Wahlkampf im Herzen Amerikas und kümmere mich um die Probleme, die Amerika heute hat”, so McCain.
Die Wahl wird in den USA entschieden

Seine Botschaft: Obama mag medienwirksam um die Welt reisen, die November-Wahl wird zu Hause entschieden. Und doch: die schönen Bilder - Obama händeschüttelnd mit Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier - wollten neutralisiert sein. Denn der außenpolitisch wesentlich profiliertere McCain will Obama die internationale Bühne dann doch nicht komplett überlassen. “Ich habe beste Beziehungen zu vielen europäischen Spitzenpolitikern. Ich hatte bereits viele Treffen mit Kanzlerin Merkel, Präsident Nicolas Sarkozy oder Premier Gordon Brown. Ich kenne sie gut, und was mich dabei besonders glücklich macht: Die heutigen Regierungschefs sind wesentlich amerikafreundlicher als noch ihre Vorgänger, das ist ein Fakt”, betont der Republikaner.
Berlin-Rede: Punkte für Obama?

Der Berlin-Besuch war eine verfrühte Siegesrunde, warnte McCain später und wies mal wieder darauf hin, wie falsch Obama zum Beispiel die Lage im Irak eingeschätzt habe - Willkommen zurück im Wahlkampf. Und doch werden die amerikanischen Medien nun debattieren, ob Obamas Berlin-Rede ihm überhaupt Punkte bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl bringen kann.

Die renommierte Washington Post stellte gleich zwei Meinungen gegenüber. Michael Rubin vom konservativen American Enterprise Institute meinte zu der Rede: “Obamas Worte haben inspiriert, aber wenigstens eines haben wir von der Bush-Regierung gelernt: Führungsqualitäten müssen tiefer gehen als Rhetorik. Berlins Freiheit ist schließlich auch mit Geld und Blut gewonnen worden, nicht mit Rückzug und einseitiger Abrüstung.
Nancy Soderberg, unter Präsident Bill Clinton UN-Botschafterin, hält so dagegen: “Obamas Reise hat gezeigt, dass er auf der globalen Bühne bestehen kann. Seine Botschaft enthielt genau das, worauf die Europäer sehnsüchtig von einem Präsidenten gewartet haben. Die Frage heißt, ist Amerika auch dafür bereit? Wir sollten und wir müssen.
Schlechte Umfragewerte für Obama

Trotz der 200.000 Zuschauer in Berlin ebbte die mediale Aufregung um Obamas Rede schnell ab. Denn letztendlich war Berlin eine Station unter sehr vielen und die wichtigen Stichworte zu Multilateralismus, Terrorismus, Freiheit, Irak, Afghanistan oder Klimawandel werden im amerikanischen Wahlkampf fast täglich aufgerufen.

Aktuelle Nachrichten bei:

Und doch könnten sein Auftritt vor der Siegessäule und die anderen Treffen seiner ersten außenpolitischen Kandidatenreise Barack Obama geholfen haben. Denn in einer NBC-Umfrage hatte er überraschend schlechte Noten erhalten. Welcher Präsident brächte mehr Risiko für das Land, wurde repräsentativ gefragt. 35 Prozent sagten John McCain, aber 55 Prozent halten Barack Obama für die riskantere Wahl. Das sind Werte, die der demokratische Kandidat - und nicht die Privatperson und der Weltbürger - durch Auftritte wie in Berlin gern in den Keller drücken möchte.

Quelle: Tagesschau Weitere aktuelle Nachrichten

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