Obama-Day in Berlin
![]() Der erste Händedruck mit der Kanzlerin |
Spannung in der deutschen Hauptstadt: Barack Obama wird hier seine einzige große Wahlkampfrede im Ausland halten. Aber nicht nur die tausenden Zuhörer sind aufgeregt, auch Kanzlerin Merkel traf ihn zum ersten Mal.
Mehr als 100.000 Zuhörer werden zum Redeauftritt des designierten US-Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama an der Berliner Siegessäule erwartet. Die Berliner Rede ist die einzige, die Obama während einer einwöchigen Tour durch den Mittleren und den Nahen Osten sowie durch europäische Hauptstädte hält.
Treffen mit Merkel
Obama ist am Donnerstagvormittag (24.07.2008) erstmals mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammengetroffen. Vor ihrem Büro stellten sich die Kanzlerin und ihr Gast kurz den Fotografen und Kameraleuten. Merkel und Obama gaben einander die Hand und klopften einander auf die Schulter. Die Kanzlerin zeigte dem designierten Kandidaten die Aussicht auf den Reichstag, bevor sie sich zu einem rund einstündigen Gespräch zurückzogen.
Erklärungen gaben sie nicht ab.
Kanzlerin Merkel hatte zuvor sagte, sie freue sich, den Senator aus Illinois persönlich kennenzulernen, erwarte aber keine grundlegend neue Außenpolitik. Die Unterredung im Kanzleramt soll eine Stunde dauern.
Außerdem wird der 46-jährige Senator aus Illinois von Außenminister Frank-Walter Steinmeier sowie vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, empfangen.
Erster Streit Afghanistan?
Mit besonderer Aufmerksamkeit wird erwartet, ob Obama in seiner Rede von Deutschland und anderen Verbündeten einen stärkeren Einsatz in Afghanistan fordert. Merkel und Steinmeier haben sich sehr skeptisch zu dieser Überlegung geäußert und auf das gerade erweiterte Engagement der Bundeswehr verwiesen.
Merkel wollte mit dem Senator auch über die Zusammenarbeit in der NATO, Klimaschutz und den Welthandel sprechen. Obamas eintägiger Besuch ist Teil einer Reise, mit der er sein außenpolitisches Profil gegenüber seinem republikanischen Rivalen John McCain schärfen will.
Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von NBC News und Wall Street Journal liegt Obama weiter mit 47 Prozent sechs Punkte vor McCain.
Geteilte Erwartungen
Der frühere US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, erwartet, dass Obama auf ein stärkeres internationales Engagement Europas dringen wird. “Er wird nicht akzeptieren, dass allein die USA für alles bezahlen sollen. Das ist eine Message, die Obama von Berlin aus transportieren möchte - auch nach Amerika”, sagte Kornblum dem “Münchner Merkur”.
Auch der Koordinator der Bundesregierung für die deutsche-amerikanische Zusammenarbeit, Karsten Voigt, rechnet nicht damit, dass Obama generell ein einfacherer Partner würde. “Bei Klimafragen dürfte es durch Obama eine Annäherung der USA an Europa geben”, sagte er der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”. Aber: “Bei wirtschaftlichen Problemen ist ein US-Präsident immer zuerst Vertreter amerikanischer Interessen.”
Schlafen am Brandenburger Tor
Obama wird im Hotel “Adlon” wohnen. Zu seinem Schutz werden rund 700 Polizisten eingesetzt. Am Freitag reist Obama weiter nach Paris. Als Redeort war auch das Brandenburger Tor im Gespräch gewesen, was in Deutschland zu einer kontroversen Diskussion geführt hatte.
Unmittelbar vor seinem Flug nach Deutschland hat Obama in Jerusalem die Klagemauer besucht. Zum Abschluss seiner Nahost-Reise begab er sich am Donnerstagmorgen an die heilige Stätte. Dort hinterließ er wie viele Pilger vor ihm eine persönliche Botschaft zwischen den Steinen. (kas)
Quelle: DW Weitere aktuelle Nachrichten
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