Obama auf schwieriger Israel-Mission
![]() Barack Obama |
Skeptischer Blick auf den US-Präsidentschaftskandidaten
Überall ist er ein Star - nur in Israel nicht. Wenn Barack Obama heute das Heilige Land bereist, muss er Überzeugungsarbeit leisten. Denn viele Israelis halten ihn für zu pro-arabisch. Könnten sie wählen, so läge McCain mit 26 Prozent vor Obama.
Mit dem weltgrößten Tabouleh-Salat steht Nasser Abdel Hadi schon im Guinness-Buch der Rekorde. Jetzt bietet er in seinem Lokal namens “Öl und Thymian” in Ramallah eine Obama-Pizza an. Abdel Hadi ist Fan des Amerikaners. Die Obama-Plakate an seinen Wänden zeugen von seiner Begeisterung. Dass der demokratische Präsidentschaftsbewerber Obama in die Palästinensergebiete fährt - im Gegensatz zum Republikaner John McCain - bringt ihn schier aus dem Häuschen.
McCain mit 26 Prozent “vorn”
Viel gelassener sehen die meisten Israels den Besuch. Müssten sie sich zwischen dem Demokraten und dem Republikaner entscheiden, dann würden - je nach Umfrageinstitut - bis zu 26 Prozent mehr Israelis McCain wählen als Obama.
“Lieber Barack Obama”, schreibt etwa Yossi Klein Halevi in einem offenen Brief, den das Journal “The New Republic” veröffentlicht: “Sie werden ein blühendes Israel erleben. Die Strände und Kaffeehäuser sind voll, der Schekel ist eine der stärksten Währungen der Welt, unsere High Tech Firmen dominieren den NASDAQ, unsere Weine gewinnen internationale Medaillen und wir exportieren sogar Ziegenkäse nach Frankreich.” Dieser Eindruck, fügt der Wissenschaftlicher vom Shalem Center in Jerusalem hinzu, ist aber oberflächlich. Israel fühle sich sicherheitspolitisch bedroht wie seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 nicht mehr.
Obama ein Freund Israels?
Ist Obama ein Freund Israels oder nicht - diese Frage stellen sich in Israel deshalb viele. Als Maßstab wird George W. Bush genommen, der US-Präsident, der wie kein anderer zuvor hinter Israel stand. McCain sieht man als denjenigen an, der in Bushs Fußstapfen treten könnte. Aber Barack Obama? Obama hat schon mal kritisch Israels fortgesetzten Siedlungsbau im besetzten Westjordanland erwähnt, McCain noch nie.
Obama hat die Waffenruhe mit der radikalislamischen Hamas im Gaza-Streifen begrüßt, McCain war eher skeptisch. Obama hat Israels tastende Gespräche mit Syrien über türkische Vermittler gelobt, McCain äußerte Bedenken. Vor allem aber: Obama sucht gegenüber dem Iran noch den Dialog. McCain würde die Sanktionen verschärfen, er schließt eine militärische Option nicht aus.
McCain würde auch die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen, Obama hat das Thema vermieden. Noch ist Jerusalem international nicht als Israels Hauptstadt anerkannt. Und so leistete sich Obama einen Schnitzer: Er sprach die Hoffnung aus, Jerusalem würde vereinigt bleiben. Da protestierten die Palästinenser, die auch in Jerusalem ihre künftige Hauptstadt sehen. Obama musste zurückrudern, erklären, er hätte eigentlich gemeint, nie wieder Stacheldraht quer durch die ehrwürdige Stadt.
Streitpunkt Nahost-Konflikt
“Der größte Unterschied besteht darin, wie beide den Nahost-Konflikt anpacken würden,” erklärt US-Kenner Michael Oren (jüngstes Buch: “Power, Faith and Fantasy”) in Jerusalem: “Obama will erst den israelisch-palästinensischen Konflikt lösen, McCain sich erst mit dem fundamentalistischen Islam auseinandersetzen.”
Wenn der designierte Präsidentschaftskandidat Barack Obama am Mittwoch gegen 22 Uhr von der Klagemauer zurück zum King David-Hotel in Jerusalem fährt, dann hat er in vierzehn Stunden alle und alles abgehakt: Frühstück mit dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak, Treffen mit dem Oppositionsführer Benjamin Netanjahu. Danach: Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem, Zusammenkunft mit Israels Staatspräsidenten Schimon Peres, über Mittag zwei Stunden bei den Palästinensern in Ramallah, zurück nach Jerusalem zur Außenministerin Zipi Livni, Hubschrauberflug nach Sderot, der bis vor kurzem von Raketenangriffen geplagten Kleinstadt am Gaza-Streifen. Am Abend dann Begegnung mit der Presse, gefolgt von einem Abendessen bei Israels Ministerpräsidenten Ehud Olmert.
Obama unter Dauerbeobachtung
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Auf Schritt und Tritt wird Obama wie kaum ein anderer beobachtet, analysiert, kritisiert werden. Schließlich ist es eine Wahlkampf-Reise. Rutscht Obama aus auf dem Nahost-Parkett, dann kann sein republikanischer Gegner auf seiner außenpolitischen Unerfahrenheit herumreiten. Leistet er sich keine verbalen Patzer, dann werden die über hundert US-Journalisten in seiner Begleitung zu Wahlkampfhelfern.
Um die rund 120.000 im November stimmberechtigte US-Bürger, die in Israel leben, muss er sich nicht sonderlich bemühen. Sie wählen traditionell republikanisch. Und die israelische Regierung ist derzeit so geschüttelt von innenpolitischen Krisen, dass sich Obama nicht sicher sein kann, wer von denjenigen, deren Hände er drückt, mit denen er sich fotografieren lassen wird, noch an der Macht ist, sollte er im November gewählt werden.
Quelle: Heute.de Weitere aktuelle Nachrichten
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