Deutschland im Finale - 3:2 gegen die Türkei


Bastian Schweinsteiger bejubelt sein Tor

Noch ein Sieg bis zum Titel
DFB-Elf ringt die Türkei nieder und steht im Endspiel

Die deutsche Nationalmannschaft steht im EM-Finale und greift am Sonntag nach ihrem vierten Titel. Im Halbfinale gegen die Türkei gewann die DFB-Elf glücklich mit 3:2 (1:1), muss sich im Endspiel gegen Russland oder Spanien aber gewaltig steigern.

Eigentlich waren die Türken im bisherigen Turnierverlauf für die späten Siegtreffer zuständig. Beim Halbfinale in Basel war es dieses Mal aber Philipp Lahm, der in der 90. Minute alleine vor Keeper Rüstü auftauchte und den Ball zum 3:2 ins Netzt jagte. 3:2 für Deutschland gegen tapfere Türken. Ein durchaus schmeichelhafter Sieg.

Vor dem finalen Treffer hatten Ugur Boral (22.) und Semih (86.) sowie Bastian Schweinsteiger (26.) und Miroslav Klose (79.) die Zeichen bereits auf Verlängerung gestellt.

Nur die Türken

Die Türken haben sicher die spektakulärsten Partien bei dieser EM abgeliefert. Mit 1:0 in Führung gegangen waren sie aber noch nicht. Viele Torchancen hatten sie für ihre drei Last-Minute-Siege auch nicht gebraucht. Beides sollte sich im Halbfinale ändern. Denn von Beginn an spielten nur die Mannen von Trainer Fatih Terim. Das 1:0 durch Ugur Boral, der einen Abpraller von der Latte in der 22. Minute durch die Beine von Jens Lehmann schoss war nur die logische Konsequenz einer fast schon erschreckend schwachen deutschen Defensivleistung in der ersten Hälfte.

Bundestrainer Joachim Löw und die deutschen Fans trauten ihren Augen nicht, wie der wieder sehr starke Hamit Altintop und Kazim Kazim über die rechte Seite einen Angriff nach dem anderen einleiten durften. Außer dem Gegentor musste Löw noch eine Großchance von Altintop, der an Lehmann scheiterte (8.) und einen Lattenknaller von Kazim (13.) ertragen. Die vielen kleineren Gelegenheiten der Türken gar nicht mitgezählt.

Auf Erfolgsduo ist Verlass

Dass es Löw die Laune zur Halbzeit noch nicht vollständig verhagelt hatte, lag an Bastian Schweinsteiger. Der Münchner, der schon zu Beginn als einziger Deutscher den nötigen Biss ausgestrahlt hatte, war in der 26. Minute einen Schritt schneller als Innenverteidiger Mehmet Topal und vollstreckte eine Podolski-Hereingabe zum 1:1-Augleich. Schweinsteiger und Podolski, zumindest auf die Erfolgsgaranten aus den letzten Partien war wieder Verlass.

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Letzterer hätte in der 34. Minute den bisherigen Spielverlauf um ein Haar auf den Kopf gestellt. Nach klasse Pass von Thomas Hitzlsperger lief Podolski auf halblinker Position alleine auf das Tor von Rüstü Recber, zog seinen strammen Linksschuss aber knapp am Kasten vorbei. Ein Pass auf den in der Mitte mitgelaufenen Miroslav Klose wäre in dieser Situation vielleicht die bessere Option gewesen.

Etwas mehr Schwung

Die Pausenansprache von Löw wird es wohl in sich gehabt haben. Mit Wiederbeginn kam nicht nur der angeschlagene Torsten Frings für Simon Rolfes ins deutsche Team, sondern auch etwas mehr von der für ein Halbfinale notwendigen Aggressivität. Hitzlsperger gab in der 55. Minute einen Distanzschuss ab - knapp drüber. Zudem versagte Schiedsrichter Massimo Busacca der deutschen Elf nach einem klaren Foul an Lahm einen Elfmeter (51.).

Die DFB-Elf rückte insgesamt weiter nach vorne und störte die Türken deutlich früher im Spielaufbau. Als Folge spielte sich das Geschehen jetzt überwiegend im Mittelfeld ab. Von einer deutschen Überlegenheit konnte aber immer noch keine Rede sein. Auch die Nachlässigkeiten in der Abwehr traten immer mal wieder zu Tage. In der 73. Minute sah Arne Friedrich gegen Ugur ganz alt aus, dessen Schuss stellte Lehmann aber vor keine Probleme. Im direkten Gegenzug war dann Hitzlsperger im Pech, der einen weiteren Distanzschuss knapp vorbei setzte.

Rüstü hilft mit

Aktuelle Nachrichten bei:

Die Partie ging bereits auf die letzten zehn Minuten zu und näherte sich damit allmählich der “Türken-Zeit”, als Klose die deutschen Fans wieder jubeln ließ. Eine Flanke von Lahm köpfte der Münchner unter freundlicher Mithilfe des zögernden Rüstü zum 2:1 ein (79.). Noch zehn Minuten fehlten bis zum Finaleinzug, doch die Türken haben schon weit weniger Zeit gebraucht, um bei dieser EM-Endrunde einen Rückstand aufzuholen. Vier Minuten vor Schluss war es wieder soweit. Sabri setzte sich auf der rechten Seite einmal mehr gegen Lahm durch und Semih vollstreckte in der Mitte zum verdienten 2:2-Augleich.

Im Unterschied zu den letzten drei Spielen der Türken gehörte die letzte Aktion aber der DFB-Elf. Nach Lahms Treffer macht sich der deutsche Tross am Sonntag zum Finale nach Wien. Den Türken bleibt nur die Heimreise und die Erinnerung, mit zwei legendären Partien ein Stück EM-Geschichte geschrieben zu haben.

Infobox:
Deutschland - Türkei 3:2 (1:1)
Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Rolfes (ab 46. Frings), Hitzlsperger - Schweinsteiger, Ballack, Podolski - Klose (ab 90.+2 Jansen)
Türkei: Rüstü - Sabri, Mehmet Topal, Gökhan, Hakan - Mehmet Aurelio - Kazim (ab 90.+1 Tümer), Hamit Altintop, Ayhan (ab 81. Mevlü), Ugur (ab 84. Gökdeniz) - Semih
Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)
Tore: 0:1 Ugur (22.), 1:1 Schweinsteiger (26.), 2:1 Klose (79. ), 2:2 Semih (86.), 3:2 Lahm (90.)
Zuschauer in Basel: 39.374 (ausverkauft)

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