Wien warnt nach Inzest-Fall vor Medien-Kampagne
Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat die internationalen Medien nach dem Inzest-Verbrechen von Amstetten davor gewarnt, ganz Österreich und seine Bewohner zu verurteilen. “Es gibt keinen Fall Amstetten, keinen Fall Österreich, sondern ein grausliches Gewaltverbrechen”, sagte Gusenbauer der “Bild”-Zeitung. Der österreichische Inzest-Täter Josef F. weise zwar eine Persönlichkeitsstörung mit narzistischen, machtorientierten und gemütsarmen Zügen auf, sei aber nicht psychisch krank, sagte der Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Der geständige 73-Jährige wird in der kommenden Woche der Staatsanwältin vorgeführt.
Sein Land wehre sich dagegen, dass von “einigen ausländischen Medien” versucht werde, aus “diesem entsetzlichen Verbrechen etwas ’spezifisch Österreichisches’ zu konstruieren”, sagte Gusenbauer weiter. Wenige Wochen vor der Fußball-Europameisterschaft in seinem Land wolle sich Österreich “als das darstellen, was es ist: ein Land mit höchstem sozialen Standard, Lebensqualität und wirtschaftlichem Erfolg.” Österreich können “nicht für die Schandtat eines Einzelnen verantwortlich gemacht werden”.
Seine Regierung prüfe derzeit “alle Gesetze, die mit diesem Verbrechen in irgendeinem Zusammenhang stehen” und suche nach Verbesserungen, die ähnliche Taten in Zukunft, wenn möglich, verhindern könnten, sagte der österreichische Bundeskanzler. “Dieses Verbrechen geht allen unter die Haut. Unsere Aufgabe ist es jetzt, alles zu tun, um den Opfern zu helfen.” Was immer an finanziellen Mitteln notwenig sein werde, “werden wir sehr unbürokratisch zur Verfügung stellen”, kündigte Gusenbauer an.
Bei dem Amstettener Josef F. müsse von einer “hohen Intelligenz mit brillanten planerischen Denkfähigkeiten” ausgegangen werden, sagte der Gerichtspsychiater Haller dem “Focus”. Ein psychisch kranker Mensch sei nicht in der Lage gewesen, ein derart komplexes Verbrechen über so viele Jahre hinweg zu verüben.
Der 73-Jährige habe über das Schicksal seiner Opfer gottähnlich bestimmen wollen, sagte Haller dem Magazin weiter. Diese Machtversessenheit erkläre auch, weshalb Josef F. nicht verhütet habe. “Er wollte die Zahl der Personen, die seiner Kontrolle unterstehen, gleichsam vermehren”, sagte der Experte für Kriminalpsychiatrie.
Josef F. solle “voraussichtlich Mitte nächster Woche” der Staatsanwältin vorgeführt, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Gerhard Sedlacek. Nach einem anfänglichen Geständnis verweigert Josef F. auf Anraten seines Anwalts jede weitere Aussage. Source: AFP
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